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Piero Rossi

Aus ADHSpedia
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Piero Rossi im Jahr 2013

Piero Rossi ist ein in der Schweiz ansässiger Psychologe, Fachpsychologe für Psychotherapie, Autor, Publizist und Fotograf. Einer seiner berufspraktischen und publizistischen Schwerpunkte liegt im Bereich der ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Größere Bekanntheit erlangte Rossi durch seine Aktivitäten als bloggender ADHS-Experte.

Berufliche Tätigkeit

Rossi war von 1984 bis 2015 in eigener Praxis als Psychotherapeut tätig. Ab dem Jahr 1995 entwickelten sich dabei als Schwerpunkte die Diagnose und Behandlung der ADHS heraus. Hinsichtlich der therapeutischen Arbeit mit ADHS-Patienten hob er fortwährend die Wichtigkeit und Notwendigkeit der ressourcenorientierten Intervention hervor.[1] Laut eigenen Angaben untersuchte und behandelte er im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit etwa 2500 Menschen mit ADHS-Symptomatik.[2]

Während seiner Zeit als Psychotherapeut war Rossi zudem als Referent auf diversen Fachveranstaltungen geladen. Im Jahr 2003 trat er auf dem Koblenzer Juvemus-Symposium neben dem US-amerikanischen Universitätsprofessor Christopher Kratochvil auf.[3][4] Auf seinen Vortrag „(K)ein Fall von ADHS. Zur neuropsychologischen Diagnostik der ADHS“[5] wurde in den Folgejahren vielfach Bezug genommen. Er leitete ein mit den Worten:

„Dieses Symposium steht unter dem Motto 'Tatsache ADHS'. Leider wird die Tatsache ADHS von einigen Kreisen immer wieder negiert, als Modeerkrankung abgetan oder als Phänomen einer 'Schnellfeuer-Kultur' verharmlost. Bücher mit der Stossrichtung wie dasjenige mit dem Titel 'Das Märchen vom ADHS-Kind' sind leider keine Seltenheit. Mit meinen Ausführungen will ich einen Beitrag zur Untermauerung der 'Tatsache ADHS' leisten.“[6]

—Piero Rossi (2003)

Im Jahr 2015 beendete Rossi seine psychotherapeutische Arbeit und widmete sich der Förderung unterschiedlich beeinträchtigter sowie hochbegabter Kinder und Jugendlicher und der professionellen Fotografie.[7][8]

Werk

Screenshot einer frühen Version der Website ADD-Online (2002)

Aktivität als Autor

Gemeinsam mit seiner Fachkollegin Susanne Bürgi veröffentlichte Rossi im Jahr 2012 das Buch ADHS - Informationen aus der Praxis für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen. Dabei handelt es sich um eine 386 Seiten starke Zusammenstellung zahlreicher bis dahin auf adhs.ch veröffentlichter Texte. Unter diesen befinden sich unter anderem Erfahrungsdokumentationen aus der eigenen Praxis, Auseinandersetzungen mit der Ätiologie, Diagnostik und Therapie der ADHS, praxis- und alltagsnahe Ratschläge sowie Buchrezensionen. Das Ebook wird kostenlos zum Download angeboten (Donationware),[9] eine gebundene Ausgabe ist bislang nicht erhältlich.

Publizistische Aktivitäten im Internet

Vom schweizerischen Lenzburg aus begann Rossi in den Neunzigerjahren, erste Textpublikationen zum Thema ADHS im Internet zu veröffentlichen. Dazu gründete er das Informationsportal ADD-Online. In dieser Hinsicht leistete er Pionierarbeit, da im deutschsprachigen Raum bis zur Jahrtausendwende nur wenige bis keine Informationen zum Thema ADHS verfügbar waren:[10]

„In den USA gilt die ADHS als etablierte Diagnose. Anders in Europa, wo das Störungsbild der ADHS - vor allem bei Erwachsenen - noch nicht allen Fachpersonen bekannt ist. ADD-Online stellt für diese und andere Interessierte wissenschaftlich abgestützte Informationen über [...] ADHS [...] bereit.

—Piero Rossi (2002)

Das inhaltliche Angebot bestand zunächst überwiegend aus der Dokumentation eigener Praxiserfahrungen, Übersetzungen von Fachpublikationen aus dem Englischen sowie später auch fachspezifischen Materialien.[11] Zeitweise zählte auch eine psychologische Online-Beratung zum Angebot.[12] Im Jahr 2001 schloss sich ihm Martin Winkler an.[13] Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden auf den Portalen adhs.ch (ehemals ADD-Online)[14], Web4health[15] und ADHS-Spektrum[16] im Laufe der Jahre mehrere hundert Beiträge veröffentlicht. Mit der Beendingung seiner Arbeit als Psychotheraeut zog sich Rossi aus dem Gemeinschaftsblog ADHS-Spektrum zurück.

Zitate

Zu ADHS im Erwachsenenalter

  • Viele dieser erwachsenen ADHS-betroffenen Frauen und Männer haben ein Leben lang gekämpft, nicht nur mit sich selbst, sondern vor allem mit ihrer Umwelt: Viele sind gekennzeichnet von einem Schultrauma, einem Lerntrauma, einem Lehrertrauma, einem Geschwistertrauma, einem Familientrauma, einem Ausbildungstrauma, einem Arbeitsplatztrauma, Beziehungstrauma, einem Psychologentrauma, einem Kindertrauma, einem Ehemann- oder Ehefrautrauma und so weiter.“[17]

Zu ADHS bei Frauen

  • Frauen mit einer ADHS sind meines Erachtens echte 'Stehauffrauchen' und ich staune immer wieder, wie gut und schnell sie sich immer wieder raufrappeln können, wie geschickt und originell sie in verzwicktesten Lebenslagen improvisieren können, wie schnell sie sich und anderen verzeihen können und wie dankbar, eifrig und konsequent sie in ihrer Emanzipation und Persönlichkeitsentwicklung sein können, wenn ihnen angemessene Hilfe zuteil kommt.“[18]

Hinsichtlich Therapie und Versorgungssituation

  • Im Rahmen einer Buchbesprechung: „Zwar ist die ADHS eine primär neurobiologisch bedingte Störung und die Behandlung erfordert in den meisten Fällen Medikamente. Für eine Heilung von Menschen mit einer ADHS bedarf es hingegen weit mehr als nur eine Bestimmung von Biomarkern und eine daraus abgeleitete medikamentöse Therapiestrategie. Dringend nötig sind mehr ADHS-spezialisierte psychotherapeutische Ambulanzen und Erziehungsberatungsstellen. Und mehr öffentliche Schulen und Lehrkräfte, welche ADHS-betroffene Kinder ernst nehmen und in Aus- und Weiterbildungen gelernt haben, auch mit diesen Kindern konstruktiv umzugehen. Und mehr...“[19]

Siehe auch

Literatur (Auswahl)

Weblinks

Weitere interessante Artikel

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Einzelnachweise